Die Stadt von Todi
Die Stadt Todi besticht durch den Gesamteindruck ihrer Gebäude, das ein jedes etwas Zauber aus dem vorhergehenden
zu ziehen scheint, um diesen dem nächsten zurückzugeben. Dieses Gesamtbild in
einzelne interessante Orte aufzuteilen, ist nicht so einfach, aber wir wollen
es versuchen.
Die Besichtigung beginnt am
Tempio della Consolazione (Tempel des
Trostes), einer eleganten Renaissance-Kirche mit einem Grundriss in Form eines
lateinischen Kreuzes, die zwischen 1509 und 1607 gebaut wurde, wahrscheinlich
nach Plänen von
Bramante. Wenn man in Richtung Stadtzentrum weitergeht,
kommt man an den Ort, wo die sterblichen Überreste von
Jacopone da Todi ruhen,
den
Tempio di San Fortunato. Es handelt sich um ein wunderschönes
Gebäude in reinem gotischen Stil, das 1292 auf Wunsch der Franziskanerbrüder
errichtet wurde. Die Fassade ist vielleicht der schönste Teil mit ihrem
breiten, fein gearbeiteten Portal, das mit Flachreliefs verziert ist. Außer dem
Grabstein und den sterblichen Überresten von Jacopone ist eine bemerkenswerte
Statue links vom Portal zu besichtigen, die den Erzengel Gabriel darstellt und
Jacopo
della Quercia zugeschrieben wird. Die Kirche ist dreischiffig und enthält
ein Fresko von
Masolino da Panicale, die ''
Madonna auf dem Thron mit
Kind'' aus dem Jahre 1432.
Ein eigenes Kapitel verdient der Platz
Piazza del Popolo, ein
unvergleichlicher Ort, wo alle typisch mittelalterlichen Elemente miteinander
verschmelzen und den Betrachter verzaubern. Die religiöse Macht wird durch die imposante
Cattedrale vertreten, deren Bau auf das 11./12. Jahrhundert zurückgeht, auch wenn die
Fassade aus dem 16. Jahrhundert stammt. Die Grundstruktur
hat die Form eines lateinischen Kreuzes und wurde in romanisch-lombardischem
Stil ausgeführt. Im Inneren sind das kostbare
hölzerne Chorgestühl besondere Aufmerksamkeit wert, aber auch das ''
Jüngste Gericht'' von
Ferraù
da Faenza, genannt
Faenzone, aus dem Jahre 1596. Wenn man aus der
Kathedrale heraustritt, fällt der Blick auf den
Palazzo dei Priori (1334),
der auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes steht. Schlicht, streng und
gleichzeitig fein präsentiert sich der Palazzo aus dem 14. Jahrhundert mit seinem
trapezförmigen, unregelmäßigen Turm. Auf der linken
Seite der Fassade des Palazzo befindet sich ein Bronzeadler, das Symbol von
Todi, 1340 von
Giovanni di Giliaccio ausgeführt.
Auf der rechten Seite des Palazzo dei Priori,
auf der linken der Kathedrale, reihen sich der
Palazzo del Popolo und
der
Palazzo del Capitano aneinander. Die Fassade des Letzteren ist
gotisch, wobei eine einzelne Treppe sich über die Bogengänge erhebt, um zum
erhöhten Eingang zu führen. Der Palazzo del Popolo ist eines der ältesten
mittelalterlichen Gebäude von Todi, er wurde 1214 gebaut, und leider weist er
leichte Schäden auf. Die Gebäude sind im letzten Jahrhundert an ihren
Obergeschossen verbunden worden und beherbergen das
Museo-Pinacoteca.
Außer diesen Dingen wären noch unzählige andere über Todi und seine Schönheiten
zu sagen und über andere Gebäude, die es ebenfalls wert sind, besichtigt zu
werden. Aber abgesehen von der Sorge, zu ausführlich zu werden, möchten wir dem
Besucher von Todi nicht die Entdeckerfreude verderben. Ein zu genauer Führer
birgt auch die Gefahr in sich, zu nachdrücklich zu bestimmen, was man
besichtigen sollte und was nicht, und somit zu einem Alibi für einen eiligen
und flüchtigen Besuch zu werden. Dergleichen sollte auf jeden Fall vermieden
werden, und besonders in Todi, wo jeder Schritt zum Nachdenken anregt und jedes
Geschäft Neugier anzieht.
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