Iacopo de' Benedetti,
der schon zu Lebzeiten von seinen Zeitgenossen Iacopone genannt wurde, ist eine
religiöse Persönlichkeit, die bis heute noch nicht ganz eindeutig erforscht
ist. Er wird zwischen 1230 und 1236 in Todi als Sohn einer adeligen und
wohlhabenden Familie geboren und führt auf Grund dessen ein bewegtes mondänes
Leben. Sein Leben verändert sich jedoch schlagartig nach dem gewaltsamen Tod
seiner Frau, die beim Zusammensturz eines Daches während einer
Tanzveranstaltung stirbt, als er entdeckt, dass sie einen Bußgürtel, ein
heimliches Instrument zur Buße, trug. Nach seiner religiösen Krise der Jahre 1268-69
tritt er ca. zehn Jahre später in den Orden Ordine die Frati Minori ein.
Gemäß seiner Persönlichkeit erlebt er eine sehr persönliche Religiosität, die
zu einer übermäßigen Gottesliebe tendiert, einer hinreißende Liebe, die
"verrückt" macht. Die persönliche Vereinigung mit Gott drückt Iacopone mit
übermäßigen Gefühlen aus, die zum Wahn und zu einer Reihe von anormalen
Verhaltensweisen führen, die von niemandem verstanden werden können, der sich
nicht in der gleichen Lage befindet. Dieser sehr persönlichen Art, seinen
Glauben auszudrücken, entspricht seine ebenso einzigartige Ausdrucksfähigkeit,
die ihn dazu führt, die gesamte, nicht nur die religiöse, Literatur des 13.
Jahrhunderts in Frage zu stellen. Iacopone da Todi belebt eine
literarische Gattung wieder und verleiht ihr neue Würde, die bis dahin allein
dem Bereich der persönlichen und klösterlichen Religiosität vorbehalten war:
die "Lauda" - der "Lobgesang". Von Iacopone ist ein Corpus von 92
Lobgesängen erhalten, die die klassischen Themen seiner mystischen Überlegungen
abhandeln, darunter der fromme Wahn, die Eitelkeit der Welt, die Buße, die
Bescheidenheit, die Verdammtheit der Wissenschaft und der Kultur. Die große
Anschaulichkeit und Ausdruckskraft seiner Dichtungen wird dadurch erhöht, dass
er beschließt im umbrischen Dialekt zu schreiben, wodurch seine Verse eine
bemerkenswerte lexikalische Körperlichkeit bekommen. Er gilt mit seinen
unvergessenen Kompositionen, wie dem Werk "Pianto della Madonna" oder "Stabat
Mater" als wichtigste poetische Figur vor Dante. Iacopone da Todi stirbt,
der Überlieferung nach, in Collazone, in der Nähe von Todi in der Weihnachtsnacht
des Jahres 1303.
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