"Ich merkte, dass mir der Gewinn allein nicht
genügte und, dass es ein höheres, gemeinsames Ziel geben muss. Ich habe
verstanden, dass es neben dem wirtschaftlichen Vermögen auch einen menschlichen
Wert gibt, und, dass der erste wertlos ohne den zweiten ist."
Diese Worte veranschaulichen mehr als jede
andere Erklärung die Philosophie einer der schillernsten zeitgenössischen
Persönlichkeiten, Brunello Cucinelli und umbrischer Kaschmir-Unternehmer.
Worte wie "Firma" oder "Unternehmer"
veranschaulichen nicht ausreichend das Bild, das die Figur Cucinelli auf dem
modernen Markt darstellt. Wenn man liest, was er schreibt und dem zuhört, was
er sagt, versteht man schnell, dass er es zu seinem Auftrag erklärt hat, die
menschlichen Wesen wieder zu entdecken, die einer radikalen Produktions- und
Arbeitsorganisationsveränderung in seinen "Fabriken" unterliegen.
Seit dem Jahr 1985 gab es die Idee, das Dorf Solomeo
zu restaurieren, um dort seine Utopie zu verwirklichen. Es sollte ein
Arbeitsort entstehen, der keine Demütigung des menschlichen Seins hervorbringt,
sondern seine Qualitäten, Fähigkeiten auf heitere und fröhliche Weise fördert.
"Arbeit kann nicht Verzicht und Mitleid bedeuten. Wenn das passiert stehen wir
vor der Spaltung zwischen dem Individuum und seiner Menschlichkeit."
Es scheinen die Worte eines verrückten
Visionärs zu sein, wenn man nicht mir eigenen Augen in Solomeo die gesunde und
lebhafte Firma sehen würde, die sich voll und ganz in das Dorf und seine
Umgebung integriert hat. Alles ist eins geworden. Die Häuser, die Menschen.
Alles ist ineinander aufgegangen. An dem Tage, an dem sein Betrieb schließen
sollte, falls dies jemals der Fall sein sollte, an dem Tag, an dem die
Produktionsstätten einer anderen Nutzung dienen sollten, werden wir keine
Ruinen einer industriellen Produktionsstätte vorfinden, sondern einen
bezaubernden und bewundernswerten Ort ohne die Spuren seiner jüngsten Nutzung.
"Das Schöne bleibt bestehen." Dieser von Dostojewski ausgesprochene
Sinnspruch bestimmt die Führungslinie seiner unternehmerischen Aktivitäten und die
Bestimmung der Arbeitsorte.
Eine Führungspersönlichkeit diesen Stils läuft Gefahr zu einer mystischen Figur
zu werden, die wenig mit dem heutigen Markt zu tun hat. Eine derartige
Einstellung geht jedoch überhaupt mit dem wirtschaftlichen Erfolg und den
genialen Eingebungen der Firma Brunello Cucinelli konform, die Ausdruck
geistesgegenwärtiger Ideen und bewundernswerter Strategien sind.
Das Färben der Kaschmirwolle in den
lebhaftesten Farben und die Fertigung des Ausgangsstoffs zu Bekleidungsstücken
für Frauen sind nur die anfänglichen Ideen, die es dem Betrieb ermöglichen über
dem Gros der nationalen und internationalen Produzenten zu stehen.
"Dem Betrieb einen Sinn geben, der über dem reinen Gewinnstreben steht und das
Zurückinvestieren in dieselbe, um das Leben derjenigen zu verbessern, die
arbeiten, und, um die Schönheiten dieser Welt zu schätzen und zurück zu gewinnen."
Das sind die Worte eines erleuchteten, eines
humanistischen Unternehmers, der es geschafft hat, seine Utopie zu
verwirklichen und eine Firma im Sinne des Menschen und der Menschlichkeit zu
leiten.
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