''Le Marcite'' (Die Rieselfelder)
Die Rieselfelder von Norcia sind Wiesen, die bewässert
und dadurch schnell gedeihen und häufig zu mähen sind, im flachen, nördlichen
Teil der Sankt Scholastika-Ebene, nur wenige Meter außerhalb der
Stadtmauer. Dieses Gebiet existiert seit Jahrhunderten und ist das Resultat
konstanter und harter Arbeit auf kleinen Grundstücken, die durch
Bewässerungskanäle und -gräben voneinander geteilt sind. Der Karstwasserzufluss
reguliert im Sommer die Temperatur der Erde, während sie im Winter konstant
bleibt dank der ständig fließenden Wasserschicht auf dem Grasmantel.
Das Vorhandensein der Wasserschicht hat eine wichtige thermoregulierende
Wirkung und verhindert, dass die Erde und die Vegetation gefriert. Dieses
System gestattet es den Pflanzen, kontinuierlich zu wachsen, so dass bis zu
zehn Heuernten im Jahr eingefahren werden können.
Die Erde besteht aus Anspülungen, die von Schüttkegeln umgeben sind und so eine
Senke formen, das an der Stelle entstanden ist, wo einst ein Seebecken war.
Das ganze hydrogeologische System, sowie die Flora und die Fauna beleben diese
in Italien einmalige Landschaft.
Die Hochebenen von Castelluccio
Die Hochebenen von Castelluccio stellen zusammen mit dem Monte Vettore und den Sibillinischen Bergen eines der schönsten und bewundertsten
Naturspektakel Umbriens und ganz Italiens dar. Es handelt sich um ein
komplettes, kulturell und wissenschaftlich sehr interessantes System, das aus
einer Folge von Becken tektonischen und karstigen Ursprungs in großer Höhe
besteht, die von fast 2500 m hohen Bergen (der höchste ist der Monte Vettore) durchsetzt
sind.
Die Große Ebene von Castelluccio erstreckt sich über ca. 7 km Länge und
3 km Breite. An der Seite der Ebene erhebt sich auf einem Gipfel das Dorf Castelluccio
di Norcia, das mit seinen 1452 m über Meereshöte eines der höchsten
der Italienischen Halbinsel ist.
Der beste Moment, um das Naturspektakel der
Großen Ebene zu genießen, ist der Frühling, wenn die blühenden Blumen die 13
Quadratkilometer der Ebene mit einer Farbenpracht überziehen, dass sie aussieht
wie ein wunderschöner irdischer Regenbogen.
Im Juni belebt sich die Landschaft mit der ''fiorita'', der Blumenpracht
der Wiesen und Weiden, die die Große Ebene mit einer Explosion bunter
Blütenblätter füllt und bezaubernde Farbgemälde zeichnet. Im Frühling
verwandelt sich die Ebene in einen riesigen Teppich, der wie mit Blumengarn
bestickt ist und die Touristen willkommen heißt, die jedes Jahr zu diesem
echten Naturheiligtum pilgern.
Der Nationalpark der Sibillinischen Berge
Die Kommune von Norcia ist das größte Zentrum im Gebiet des Nationalparks
der Sibillinischen Berge, einer der eindrucksvollsten und bezauberndsten
Nationalparks der Italienischen Halbinsel. Der Park ist ein Ort voller Zauber
und erstreckt sich zwischen Umbrien und den Marken entlang dem
Gebirgsrücken, der ''Magische Apenninen'' heißt, da er von Mythen
und Legenden umwoben ist, die seit dem Mittelalter die kollektive Vorstellung
bevölkern.
Die höchsten Gipfel der Gruppe sind der Monte Vettore und der Monte Sibilla, beide gut über 2000 m hoch und
Schutzgottheiten des Parks und der vielen Geschichten, die er zu erzählen hat.
Ursprünglich war alles von Meeren bedeckt
gewesen, die langsam von einem immer noch aktiven Karstbrunnen aufgesaugt
wurden, der von der Großen Ebene und der Verlorenen Ebene gebildet wird. Als Zeugnis der großen Eiszeit bleibt der wunderbare Ausblick
auf den Pilatussee am Fuß des Monte Vettore.
Er ist ein See eiszeitlichen Ursprungs in 1940 m Höhe, dessen Geschichte voller
Magie, antikem Glauben und Anhängern des Okkulten ist. Laut einer berühmten Überlieferung
soll Pontius Pilatus, der Gouverneur von Palästina, der Christus kreuzigen ließ, von Dämonen, die noch immer die Ufer des Sees bewohnen sollen,
bis in die tiefen Wässer des Sees gebracht worden sein.
Eine echte biologische Seltenheit ist das Vorhandensein eines winzigen
Krebstieres, des Chirocefalus del Marchesoni, der
ausschließlich in den Wässern des Pilatussees vorkommt.
Ein weiterer mysteriöser und magischer Ort ist die Höhle der Sybille am
Fuß des Monte Sibilla, der Ort, an dem die berühmte Verzauberin von
Helden und Feldherren wohnte. Laut Virgil landete wie viele andere
Persönlichkeiten Eneas dort, angezogen durch die Schmeicheleien und
esoterischen Künste der Zauberin. Die Legende erzählt, dass die fahrenden
Ritter, die ihrer angesichtig wurden, schreckliche Prüfungen bestehen mussten
und dann für ein Jahr bleiben konnten. Wenn diese Zeit abgelaufen war, fielen
sie der ewigen Verdammnis anheim.
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