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Alles Sehenswerte in Gubbio

Wenn man von der Via Perugina herunterkommt, gelangt sie auf den Platz Piazza Quaranta Martiri, der den Knoten- und Verbindungspunkt für verschiedene Strassen darstellt, die nach Gubbio führen. Der Touristenrundgang kann bei der Kirche Chiesa di San Francesco beginnen, die auf der rechten Seite den Platz abgrenzt. Das Gebäude ist vornehm und elegant und wurde im 13. Jahrhundert gebaut, vermutlich vom Architekten Fra' Bevignate. Die Kirche ist der Ankunftspunkt des Franziskanischen Friedensweges Sentiero Francescano della Pace, der in Assisi beginnt, an Valfabbrica vorbeiführt und an dem Ort endet, wo der Heilige Franziskus von der Familie Spadalonga empfangen wurde, die ihn nach seiner Flucht aus seiner Geburtsstadt und dem Verzicht auf die Güter seiner Familie zu Gast hatte. Laut Überlieferung war es auch die Familie Spadalonga, die dem Heiligen aus Assisi eine Tunika schenkte, die er statt seiner feinen Kleidung anlegte und die später das Modell für die typische Franziskanerkutte wurde. Diese Überlieferung scheint weniger phantastisch zu sein als andere, da in der rechten Apsis, wo sich die Cappella di San Francesco befindet, die Reste des Hauses der Familie Spadalonga entdeckt wurden, die die Hauptfiguren der Episode sind. Die linke Apsis dagegen ist bedeutend für ihre reichen Fresken, mit denen sie ausgeschmückt ist, das Werk des Malers Ottaviano Nelli aus Gubbio, ein berühmter Vertreter des gotischen Stils. Mit der Kirche ist das Kloster Convento di San Francesco verbunden, in dessen Innerem sich ein ruhiger und stimmungsvoller Kreuzgang öffnet. Auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes Quaranta Martiri liegt die Loggia dei Tiratori, das gegen Ende des 16. Jahrhunderts erbaute Gebäude, in dessen Räumlichkeiten die Corporazione della Lana (Wollweber-Zunft) untergebracht war. Der Bau des Gebäudes war ermöglicht worden und konnte finanziert werden durch den Export der Wollstoffe in die ganze damalige Welt, nachdem die Wollverarbeitung in Gubbio einen sehr hohen Entwicklungsstand erreicht hatte. Die einst den Wollwebern gehörenden Räume befinden sich im oberen Bogengang, wo die Stoffe nach der Färbung in der Sonne ausgebreitet, ''gezogen'' wurden (daher der Name ''Tiratori'', was wortwörtlich übersetzt soviel heißt wie ''Zieher''; A.d.Ü.). Der untere Teil der Loggia wird vom Ospedale und der Kirche Chiesa di Santa Maria dei Laici (auch ''dei Bianchi'' genannt) eingenommen.

Wenn man die Loggia dei Tiratori links hinter sich lässt, um die Via della Repubblica hinaufzugehen, findet man nach wenigen Metern auf der linken Seite den Platz piazza San Giovanni mit der Kirche Chiesa di San Giovanni, die im 13. Jahrhundert erbaut wurde mit einer nüchternen und eleganten Fassade und einem mächtigen romanischen Glockenturm.

Wieder zurück auf der Via della Repubblica geht man diese bis zum Ende, wo sich der Platz piazza della Signoria öffnet, auf dem majestätisch und mächtig der Palazzo die Consoli steht und die ganze Stadt dominiert. Er ist sicherlich als eines der Wunder des italienischen Mittelalters zu bezeichnen mit seiner unübertroffenen Eleganz und Schönheit und seiner strategischen Position, von der aus er die ganze Stadt und die Umgebung beherrscht. Der Palazzo dei Consoli, der Platz davor und der Palazzo Pretorio wurden von den Richtern der Stadt 1321 in Auftrag gegeben und sollten der politische Drehpunkt des Stadtzentrums werden. Der Bauort, der für die Gebäude ausgesucht worden war, bereitete allerdings viele Probleme, da der Raum eng und das Gelände steil war. Die gefundene Lösung ist gut erkennbar: die Gebäude wurden auf einem Schwibplatz errichtet, der von weiten Bögen hochgehalten wurde, die als Basis und Stütze der Bauwerke dienten. Der Palazzo dei Consoli hat die Form eines rechteckigen Quaders im gediegenen romanischen Stil, weist aber auch gotische Züge auf und Andeutungen dessen, was die Suche nach dem Formalen der Renaissance ausdrückt. Im Inneren des Palazzo ist das Museo Civico untergebracht, wo außer der Pinakothek, in der wertvolle Gemälde hängen, die Eugubinischen Tafeln zu besichtigen sind. Letztere enthalten eine detaillierte Beschreibung in umbrischer, lateinischer und etruskischer Sprache des sozialen und religiösen Lebens der Umbrier.

Vom Platz della Signoria aus weiter hinaufgehend, erreicht man die Via Ducale, von der aus man nach links abbiegt und weitergeht, bis man den Palazzo Ducale sehen kann, ein Renaissance-Juwel, das zwischen mittelalterlichen Schätzen steht. Der Palazzo geht auf die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts zurück und wurde vom Grafen von Urbino Federico da Montefeltro in Auftrag gegeben, welcher als gebürtiger Eugubinier von seinen der Signoria des Bischofs Gabriello Gabrielli müden Mitbürgern in die Stadt Gubbio eingeladen wurde. Der Architekt Laurana sollte, so beabsichtigte es Federico, in Gubbio den Prunk der Gebäude in Urbino nachahmen, aber der Bau wurde von einem anderen berühmten Künstler der Epoche zu Ende geführt, Francesco di Giorgio Martini. Neben dem Palazzo Ducale steht der Dom, der im 12. Jahrhundert auf Wunsch des Bischofs von Gubbio, Sant'Ubaldo, nach einem schrecklichen Brand, der die Stadt erschütterte. Die Fassade ist einfach und schmucklos, während das aus einer Reihe weiter Spitzbogen zusammengesetzte Innere reich geschmückt und hell ist.

Wenn man der Via della Cattedrale folgt, biegt die Strasse, die am Ende der Via Ducale beginnt, nach einigen hundert Metern nach links ab und führt zur Via dei Consoli. Auf dieser geht man weiter nach rechts, wo man auf den Platz Piazza San Martino trifft. Hier befindet sich die Kirche Chiesa di San Domenico mit ihrer unvollendeten mittelalterlichen Fassade, die 1186 gebaut wurde. Das Innere enthält Fresken eines der besten Schüler von Raffael, Raffaellino del Colle, der hier unter anderem die ''Jungfrau mit Kind'' malte, während die ''Geschichten vom Heiligen Petrus und von San Vincenzo Ferrari'' von Ottaviano Nelli stammen.

Nun muss man ein Stück der Strasse zurückgehen, um wieder in die Via die Consoli zu kommen, von wo aus sich die Strasse für den Palazzo del Bargello weitet, vor dem der Brunnen Fontana dei Matti befindet. Der Palazzo del Bargello ist ein Bauwerk aus der Zeit der Stadtstaaten und ein bewundernswertes Beispiel für Gotik in der zivilen Architektur. Das Gebäude sollte die städtische Polizeiverwaltung beherbergen. Der Brunnen aus dem 16. Jahrhundert gehört zum Beliebtesten der lokalen Folklore, da laut Überlieferung jeder, der drei Mal um den Brunnen herumgeht, das eugubinische Bürgerrecht erhält und sich die Auszeichnung ''Matto d'Agobbio''  verdient hat. Wenn man auf der Via Baldassini weitergeht, kommt man genau unterhalb des Platzes piazza della Signoria vorbei, ab deren Ende die Strasse Via Savelli della Porta heißt, welche wiederum vor der Kirche Chiesa di Santa Maria Nuova endet. Die Kirche, deren Bau auf das 15. Jahrhundert zurückgeht, hat eine nüchterne Fassade mit einem nach links versetzten, einzigartigen gotischen Dreipassportal. Im Inneren kann der hölzerne Sarkophag besichtigt werden, der einst die sterblichen Überreste des Sant'Ubaldo enthielt. 
Die Besichtigungsrunde der zivilen und religiösen Denkmäler innerhalb der Stadtmauer endet mit dem Besuch der Kirche Chiesa di San Pietro, die man erreicht, wenn man die Via Nelli hinabgeht, die Via Armanni weiter, bis zum Platz piazza San Pietro, der nach der gleichnamigen Kirche benannt worden ist. Der ursprüngliche Bau stammt aus dem 11. Jahrhundert, wurde jedoch im 13. und 16. Jahrhundert umgebaut. Wie die Steine an seiner Basis vermuten lassen, dürfte das ganze Gebäude auf den Resten eines heidnischen Tempels errichtet worden sein. Im Inneren der Kirche gibt es zwei feine Holzintarsien-Meisterwerke, von den Gebrüdern Maffei gegen Ende des 16. Jahrhunderts geschaffen, an der majestätischen Orgel und dem wundervollen Hauptaltar zu bewundern. Unweit der Stadtmauer liegt das antike, von einem grünen Rasen umgebene Teatro Romano aus dem 1. vorchristlichen Jahrhundert, das vermutlich jedoch erst im 1. nachchristlichen Jahrhundert fertiggestellt wurde, wie eine Inschrift vermuten lässt, die Satrio Rufo als Förderer der Restaurierungsarbeiten angibt. Der spektakuläre Komplex verdeutlicht die Größe und Bedeutung der Stadt Gubbio in der Antike, wobei die Stadt gegenüber Rom eine privilegierte Stellung innehatte, vor allem wegen des Bündnispaktes von 295 v.Chr. Die Struktur ist von einer bemerkenswerten Größe, der Zuschauerraum hat einen Durchmesser von gut 70 Metern und konnte bis zu 15 000 Zuschauer fassen. Heute dient das Theater als stimmungs- und eindrucksvolle Kulisse für sommerliche Events und Theateraufführungen.

Vom Gipfel des Monte Ingino aus werden Gubbio und das darunterliegende Tal von der Basilica di Sant'Ubaldo dominiert, als wäre sie eine Schutzgottheit der Stadt. Sie ist ein wichtiger Bezugspunkt der Hingabe des Volkes, und jedes Jahr wird ihr zu Ehren die Corsa dei Ceri veranstaltet, ein Rennen, dessen Ziel die Basilika ist. Sie ist außerdem der Ort, an dem die sterblichen Überreste des Sant'Ubaldo ruhen, die durch die Jahrhunderte intakt geblieben sind. In ihrem Inneren sind während des ganzen Jahres die Ceri, die Riesenkerzen, aufbewahrt und warten darauf für das Rennen, die Corsa, in die Stadt gebracht zu werden. Die Corsa dei Ceri ist das Symbol schlechthin für Gubbio, das in sich die tiefere Bedeutung einschließt, die das eugubinische soziale Gewebe fest zusammenhält.
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