Eine spirituelle (und architektonische) Reise zu den Orten, an denen die
Botschaft des Heiligen Franz von Assisi entstand, sich entwickelte und
verbreitete
Die Besichtigungsroute zu den Orten des Heiligen Franz von Assisi beginnt bei der Chiesa Nuova, das das ehemalige
Wohnhaus des Pietro di Bernardone gewesen sein soll, wo Sankt Franziskus
geboren wurde. Das Gebäude wurde 1615 restauriert und in Form eines
griechischen Kreuzes mit einer Haupt- und vier Nebenkuppeln. Allerdings ist ein
zweites Haus als Geburtsort des Heiligen Franz überliefert, und zwar ein
bescheidener Stall, in dem Sankt Franziskus in vollkommener Imitation der
Geburt Christi geboren sein soll. An dieser Stelle - nicht weit von der
Chiesa Nuova - erhebt sich heute das Oratorio di San Francesco Piccolino.
Ein weiterer wichtiger Ort ist die herrliche Cattedrale di San Rufino,
die um 1029 vom Bischof Ugone auf einer Kirche erbaut wurde, die im
Frühmittelalter zur Bewahrung der Reliquie des lokalen Märtyrers San Rufino
errichtet worden war. Der neue und endgültige Bau der Kirche geht auf 1140
zurück, während die wunderbare Rosette von 1163 ist. Die Cattedrale di San
Rufino ist wahrscheinlich das höchste umbrische romanische Bauwerk. Hier wurde
Sankt Franziskus getauft, aber auch die Heilige Klara und Friedrich
II., und zwar über dem Taufbecken des rechten Kirchenschiffes. In
der Sakristei gibt es eine Grotte, in die sich der Heilige Franz ins Gebet
vertieft zurückzog und die heute Oratorio di San Francesco genannt wird.
Ebenfalls vom rechten Kirchenschiff kommt man direkt ins Museo del Duomo,
wo außer wertvollen Fresken und bemerkenswerten mit Miniaturen versehenen
Kodices ein Tryptichon von Niccolò Alunno aus dem Jahr 1470 aufbewahrt
wird, die ''Madonna mit Kind und Heiligen''.
Dann kommt der Ort, an dem sich Sankt
Franziskus vor dem Volk und dem Bischof Guido aller seiner Güter
entledigte, seiner Familienbesitztümer und seiner Kleider, und erklärte, er
wolle nur dem Höchsten Gott folgen. Heute steht dort die Basilica di Santa
Maria Maggiore und der Bischofspalast, in dessen Versammlungssaal an diese Episode erinnert wird. Ebenfalls im Bischofspalast verbrachte Sankt
Franziskus die letzten Tages seines Lebens und bereitete sich unter großem
Leiden im Gebet auf seinen Tod vor.
Neben dem Platz Piazza del Comune befindet sich das Wohnhaus Casa di
Bernardo di Quintavalle, wo ein in Sankt Franziskus' Fioretti erzähltes und von Dante im XI. Canto des Paradieses, der ganz dem
Heiligen Franziskus gewidmet ist, gefeiertes Ereignis stattfand. Bernardo di
Quintavalle, ei reicher Freund des Sankt Franziskus, hieß ihn in seinem
Haus willkommen, und als er ihn nachts beten hörte, hatte er einen mystischen
Geistesblitz. Daraufhin verließ auch er sein Leben im Wohlstand und folgte als
erster dem Heiligen Franz nach, der zu der Zeit noch alleine predigte.
Die Basilica di Santa Chiara ist ein weiterer vom Leben des Heiligen
Franz durchdrungener Ort und wurde auf dem Platz errichtet, wo einst die Kirche Chiesa di San Giorgio stand, die heute ein Teil der Basilika ist. Hier
verbrachte Sankt Franziskus den größten Teil seines Knabenalters und lernte
lesen und schreiben. Hier ruhten auch seine sterblichen Überreste vier Jahre
lang, von 1226 bis 1230, und hier wurde die Heilige Klara bestattet.
Nach ihrem Tod und ihrer Heiligsprechung 1255 wurde die heutige Basilika
gebaut.
An einem abgelegenen und einsamen Platz, auf halber Strecke zwischen der Ebene
und den Hügeln von Assisi, steht der Santuario di San Damiano, gesammelt
und eindrucksvoll an einem Ort, der zum Gebet und der inneren Einkehr einlädt.
Die Kirche ist sehr alt, sie wurde wahrscheinlich im 9. Jahrhundert gebaut,
aber sie wird erst ab 1030 erwähnt. Sankt Franziskus ging häufig in diese
kleine, bescheidene und schlichte Kirche, besonders wenn er große körperliche
und spirituelle Leiden zu erdulden hatte. In einer intensiven Zeit des Gebets
und des Fußfalls, die er in der Kirche zu Füßen einer byzantinischen Kreuzikone (heute in der Basilica di Santa Chiara aufbewahrt) verbrachte, vernahm er von
den Lippen des Christus die Aufforderung, ''sein Haus wieder aufzubauen''. Auch
die Heilige Klara und ihre ''Armen Damen'' hielten sich lange in San
Damiano auf und bildeten den Kern dessen, was der Zweite Franziskanische
Orden werden sollte. Ebenfalls in San Damiano verfasste der stigmatisierte
und von unendlichen Leiden gepeinigte Heilige Franziskus seinen Sonnengesang.
Sehr wichtig ist auch der Santuario di
Rivotorto, in dessen Innerem der Tugurio di San Francesco (Elendsquartier
des Sankt Franziskus) aufbewahrt wird, eine mehr als bescheidenen Hütte, in der
der Heilige aus Assisi gelegentlich lebte, sicher mindestens zwei Jahre lang
von 1209 bis 1211. Die Hütte wurde von Sankt Franziskus als Symbol für Armut
und Demut gewählt, aber auch als richtige logistische Basis für seine Aktivitäten,
da sich nicht weit davon entfernt zwei Krankenhäuser für Leprakranke befanden, San
Lazzaro in Arce und San Rufino in Arce, wo der Heilige Franz und
seine allerersten Anhänger ihre Dienste leisteten.
Der Rundgang endet dort, wo er begonnen hat, bei der Porziuncola di Santa
Maria degli Angeli wenige Kilometer von Assisi, ein Ort, der
unvergleichlich berührend ist. Um die Porziunkula herum wurde einer der
wichtigsten und meistbesuchten Sanktuarien erbaut, die Basilica di Santa
Maria degli Angeli. Hier nahm das außergewöhnliche Abenteure der Franziskanerordens seinen Anfang und hier endete das weltliche Leben des Heiligen Franziskus von
Assisi. Die einfache Kirche Porziunkula wurde bereits im 4. Jahrhundert gebaut,
als vier Pilger auf der Rückreise von Jerusalem hier Halt machten. 1206
sah Sankt Franziskus sie verfallen und fast vollständig zerstört, wählte sie
als seinen Rückzugsort und baute sie - sie als sein eigenes Inneres sehend -
von Hand wieder auf. In der Porziunkula nahm die Franziskanische Bewegung ihren
Anfang und zahlreiche Mönche brachen von hier auf in die Welt, um ihre
Botschaft von Frieden und Liebe zu verbreiten. Und dorthin wollte Sankt
Franziskus zurückkehren, als er seinen Tod nahen fühlte, da er seine Zeit auf
der Erde dort beenden wollte, wo sein spirituelles Leben begonnen hatte. Die
Basilica di Santa Maria degli Angeli wurde in mehr als hundert Jahren erbaut,
von 1569 bis 1679, nach den Plänen des namhaften Architekten Galeazzo Alessi,
um den unermesslichen Schatz, den die Porziunkula darstellt, zu schützen und
dieses Franziskanische Symbol für die gesamte Menschheit zu bewahren.
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