Zwei Jahre nach dem Tode des Heiligen
Franz von Assisi, in der Zeit seiner Seeligsprechung, wurde mit dem Bau
seiner Kirche begonnen, die im Jahr 1253 eingeweiht wurde. Es kursierten
zahlreiche Polemiken aufgrund der Tatsache, dass man ein so bedeutendes Gebäude
mit derart reichen Fresken für einen Heiligen errichten wollte, der sich zu
Lebzeiten der Armut und der Bescheidenheit verschrieben hatte. Dieser
Widerspruch blieb für einige unüberwindbar, dennoch wurde das Bauwerk errichtet
und das Wunder vollbracht, um zwischen den gegensätzlichen Meinungen zu
vermitteln. In der Tat besteht die Kirche aus zwei über einander
errichteten Kirchen, einer Unteren und einer Oberen. Die Unterkirche ist
getreues Abbild romanischer Baukunst: die Dicke der Wände, die groben Säulen.
Die niedrigen Decken, die dürftige Beleuchtung und der beengende Platz laden
zum Nachdenken ein, zum Insichkehren. Nichtsdestotrotz fehlt es nicht an
wirklichen Meisterwerken, wie zum Beispiel die Fresken von Simone Martini, Pietro Lorenzetti und selbst von Ligabue und Giotto. Die Oberkirche ist ein einziges großes Kirchenschiff mit großen und offenen Spitzwölbungen,
die hell ist und dem Stil der französischen Gotik entspricht. Hier beherrscht
das Licht den ganzen Raum, die Leichtigkeit der räumlichen Anordnung spiegelt
sich in den reichhaltigen Wandmalereien von Cimabue und Giotto wieder, die sich
auf einzigartige Weise den Geist und die Freude der franziskanischen Idee
abbildeten. Die untere Basilika erscheint wie ein schattiges Grabgewölbe, Ort
des Gebetes und des Sammelns. Die Obere hingegen ist ein lichtdurchwachsener
offener Ort, ein heiterer Himmel ohne Wolken, der erreichbar ist.
Das Äußere spiegelt erneut mit seinen groben
Strebepfeilern, der freien Fassade und dem mächtigen Glockenturm eden
romanischen Charakter wider. Der einzige Widerspruch ist das zweiflügelige,
eindeuig gotische Eingangsportal. Und, wenn uns die Fresken im Inneren den
malerischen Fortschritt von Alten zum Neuen zeigen, so ist die Basilika ein
sehr wertvolles Dokument der Entwicklung vom Romanischen zum Gotischen.
Unterhalb der Basilika befindet sich ein Gewölbe, in dem eine Grabkammer
untergebracht ist. Als man sie 1818 freilegte, schuf man hier Platz für die
Gebeine des Heiligen Franz', die in einem Sarg auf dem nackten Stein aufgebahrt
sind.
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